Youssef El Rayes

Gastronom, Ägypten

Als Youssef El Rayes vor fast 40 Jahren aus Kairo nach Deutschland kam, hatte er nicht vorgehabt, lange zu bleiben. „Ich wollte nach Kanada auswandern, mir dort ein Leben aufbauen“, sagt der gebürtige Ägypter und lacht. Das war im Jahr 1973. Doch dann kam alles anders. Der Zwischenstopp bei seinem Bruder in Köln entwickelte sich zu einem Besuch auf Lebenszeit. Heute ist El Rayes erfolgreicher Gastronom, Betreiber des „Consilium“ am Historischen Rathaus und Inhaber des Biergartens am Aachener Weiher. Seine ägyptischen Wurzeln jedoch, hat er auch nach der ganzen Zeit nicht vergessen.

„Ich bin gerne unter Menschen“

„Die Freude am Geben ist für mich das Entscheidende. Wenn sich meine Gäste wohl fühlen, fühle auch ich mich wohl“, sagt der 58-Jährige. „Wenn es eine Einstellung gibt, die ich aus meiner Heimat mitgenommen habe, ist es die: Mit Egoismus kommt man nicht weit.“ Deshalb habe er auch genau gewusst, dass das Maschinenbaustudium, welches er im Alter von 19 Jahren in Kairo begonnen hatte, nicht das Richtige für ihn war. „Ich bin gerne unter Menschen, brauche das soziale Umfeld, um glücklich zu sein.“ Die Ausbildung zum Hotelfachmann, die El Rayes Anfang der 1970er Jahre in Bonn Bad Godesberg begann, entsprach daher eher seinen Berufswünschen. Im „Hotel am Tulpenfeld“ – heute ein Bürogebäude der Deutschen Post – lernte er die Grundlagen der Gastronomie und bewirtete sogar politische Größen wie den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Die deutsche Sprache erlernte er in nur 4 Monaten.

Der Schritt in die Selbstständigkeit kam von einem Tag auf den anderen

Anfang der 1980er Jahre zog er dann aus Bonn nach Köln, arbeitete zunächst in der Flora und schloss seine Ausbildung zum Serviermeister und Weinberater ab. „Ich wollte so viel wie möglich lernen, um irgendwann mein eigener Chef zu sein.“ Ein Ziel, das ihm nicht mehr aus dem Kopf ging. Als 1983 dann der Ratskeller am Alter Markt zur Pacht angeboten wurde, zögerte El Rayes nicht lange. Gemeinsam mit einem Freund wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete seine erste eigene Gastwirtschaft. Ein besonderer Moment in seinem Leben, den der Ägypter nie bereut hat.

Heimatstadt Köln

Heute – fast 30 Jahre später – gehört er mehr zu Köln als zu Kairo. In sein Geburtsland ist er seit seiner Ausreise Anfang der 1970er Jahre nicht mehr zurückgekehrt. Zu vieles habe ihn damals von dort vertrieben: Die Übermacht des Militärs, die Korruption, die instabile Wirtschaftslage. Kairo sei zwar die Stadt seiner Herkunft, in der seine Familie auch immer noch lebt. Seine Heimat jedoch habe er in Köln gefunden. „Ich glaube nicht, dass es einen Unterschied macht, ob das Land, in das man kommt, reich oder arm ist“, so der Wahl-Kölner. „Das Wichtigste ist, dass man ein Ziel hat, standhaft ist und an sich glaubt. Dann kann man alles schaffen, was man sich vornimmt.“
 

Eva Helm