Mohamed Touré

Bambara-Lektor an der Uni Köln

 

 

Von Deutschland kann Mohamed Touré viele Geschichten erzählen. Seit dem Studium ist der Malier diesem Land verbunden und seiner Sprache. Deutsch war für den sprachlich Interessierten zunächst eine Sprache neben vielen – in der Schule hatte er Englisch, Französisch und Spanisch gelernt. Als man Touré nach dem Schulabschluss riet, Lehrer zu werden, schien es ihm reizvoll, eine weitere Fremdsprache zu erlernen, und so schrieb er sich an der Pädagogischen Hochschule in Bamako für Deutsch ein.

Mit Erfolg: im dritten Studienjahr bekam er als Jahrgangsbester ein Stipendium für einen einmonatigen Sprachaufenthalt. Und so kam es, dass Mohamed Touré im Sommer 1974 zum ersten Mal nach Deutschland reiste.

Begeisterung für Sprachen

Ostdeutschland war es damals. Mali hatte zwar auch zur Bundesrepublik gute Beziehungen – diese hatte als erstes Land die Unabhängigkeit der ehemaligen französischen Kolonie anerkannt. Aber es war die Deutsche Demokratische Republik, mit der das Land einen Kulturvertrag hatte, welcher Touré erst das Stipendium in Berlin und später dann auch eine Promotionsstelle in Leipzig ermöglichte.

Und so begann er, sich in Deutschland heimisch zu fühlen. An den Menschen beeindruckte ihn besonders der Fleiß. „Das hatte mir imponiert“, erinnert er sich.

Nach der Promotion ging es zunächst zurück nach Mali – für Mohamed Touré war das keine Frage. Auch wenn er insgeheim hoffte, bei Gelegenheit zurückzukommen. „Ein Deutschlehrer muss auch von Zeit zu Zeit nach Deutschland kommen, um besser Deutsch zu sprechen.“

Zurück in Bamako, verschlug es ihn wieder an die Pädagogische Hochschule – zuerst als Deutschlehrer und bald darauf als Leiter des Deutsch-Instituts. So konnte Touré sein Wissen an eine neue Generation Studenten weitergeben. Nebenbei beschäftigte er sich mit den Sprachen Malis, lehrte deutsche Gäste seine Muttersprache Bambara. Auch beruflich hatte er nun mit deutschen Dozenten zu tun, so etwa bei den Deutschen Kulturwochen, die das Institut jährlich ausrichtete. Einmal wurde er gefragt, ob er sich eine Lektorenstelle in Deutschland vorstellen könnte. Die Idee gefiel ihm, und die neue Herausforderung kam ihm gerade recht.

Zweite Heimat: Deutschland

Im Juli 1987 begann Mohamed Touré seine Tätigkeit als Bambara-Lektor am Kölner Institut für Afrikanistik. Knappe 25 Jahre später ist er immer noch hier. Ob er sich das hätte träumen lassen? Ein gutes Stück deutsch-deutsche Geschichte hat er so miterleben können, wurde auch Zeuge des Mauerfalls. Für ihn war das ein Erlebnis. „Ich wusste, dass diese Wiedervereinigung eines Tages passieren würde“, sagt er heute, „wie man sagt: Was zusammengehört, muss zusammenkommen. Das finde ich sehr gut.“

Ob er auch anderen Afrikanern raten würde, nach Deutschland zu kommen? „Warum nicht?“ Es sei immer gut, andere Kulturen kennen zu lernen, so würde er auch vielen Deutschen empfehlen, einmal nach Mali zu reisen. Der Schlüssel zum Erfolg sei aber die Kenntnis der Landessprache, betont er, „die Schwierigkeit bei vielen Ausländern besteht darin, dass sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind.“

Wer so lange im Ausland lebt, läuft Gefahr, sich von seiner Heimat zu entfremden. Die Tochter ist hier geboren und wird bald ihr Abitur ablegen, erzählt der stolze Vater. Doch bei alledem steht für ihn außer Frage: er ist „durch und durch Malier“. Mindestens einmal im Jahr sei er nach Mali gereist, manchmal öfter. So fühle er sich Mali weiterhin verbunden.

Mittler zwischen den Kulturen

Höhepunkte seiner Arbeit? Vielleicht ja die Betreuung des DAAD-geförderten Sprachaufenthalts deutscher Studenten in Bamako. Alle zwei Jahre bekam so eine kleine Gruppe von Studenten die Chance, ihre Sprachkenntnisse vor Ort zu vertiefen und nebenbei Land und Leute kennen zu lernen, die Sprache in einen Kontext zu setzen – genau so, wie es damals Touré nach Deutschland verschlug.

Deutsche Studenten mit seiner Heimat bekannt zu machen, macht dem Sprachlehrer viel Spaß – gerade, weil er beide Länder gut kennt, sich in beiden Kulturen zu Hause fühlt. „Ich denke dann immer, dass ich dann sowohl ein Botschafter von Mali in Deutschland bin als auch ein Botschafter von Deutschland in Mali.“

Rund die Hälfte seines Lebens hat er nun so verbracht – ein Malier in Deutschland. Doch irgendwann, da ist sich Mohamed Touré ganz sicher, wird er zurückkehren nach Mali. Es muss an der Begeisterung für seine Arbeit liegen, dass Touré so lange in Köln geblieben ist. Und am Gefühl, gebraucht zu sein. Wenn er zurückgeht, dann in dem Wissen, dass er jederzeit wiederkommen kann.

 

Philipp Sandner