Koffi Dodji Tchao

Akrobat und Musiker, Togo

Als Koffi Dodji Tchao 1987 das erste Mal aus Togo nach Deutschland kam, war er gerade mal 14 Jahre alt. Damals war er mit einer Artistengruppe auf Europatournee. Zusammen mit vielen anderen Künstlern begeisterte er sein Publikum mit einem faszinierenden Tanz auf zwei Meter hohen Stelzen, begleitet von wirbelnder Trommelmusik.

Eine traditionsreiche Kunst

Der Stelzentanz hat in Togo eine lange Tradition: In der Stadt Atakpamé, wo Dodji Tchao aufgewachsen ist, findet einmal im Jahr, wenn die Yamswurzeln reif sind, eine große Erntefeier (Yamsfest) statt, die von zeremoniellen Tänzen auf bis zu fünf Meter hohen Stelzen begleitet wird. „Jeder Stelzenlauf erzählt eine eigene Geschichte“ erklärt Tchao, „eine handelt z.B. von einer kranken Frau, die durch Zauberei geheilt wird und sofort alle Tänze mitmachen kann, ohne sie gelernt zu haben, andere stellen Liebesgeschichten zwischen Mann und Frau dar“. Auch bei Beerdigungen seien immer Stelzenläufer dabei: „ Wenn jemand stirbt, begleiten wir den Sarg bis zum Friedhof.“ Schon mit 7 Jahren habe er angefangen auf Stelzen zu laufen: „Bei meiner Familie zu Hause trainierte regelmäßig eine Artistengruppe, so haben wir als kleine Kinder schon automatisch mit angefangen zu tanzen.“
Dodji Tchao stammt aus einer traditionsreichen Königs- und Künstlerfamilie. Noch heute regiert sein Vater als König über ein größeres Gebiet im Süden Togos.

Einen Eindruck von den traditionellen Stelzentänzen vermittelt dieses Video

„Musik ist mein Leben“

Das zweite Mal kam der Togolese erst wieder 1995 nach Deutschland, diesmal mit der neu gegründeten Künstlergruppe „Amlima“, was auf Deutsch „Wunder“ bedeutet. Die 12köpfige Gruppe, bestehend aus Stelzenläufern, Trommlern und Tänzern, machte ihrem Namen alle Ehre und wurde schnell sehr erfolgreich. Es folgten regelmäßige Auftritte in Deutschland, organisiert von einer deutschen Managerin, sowie zahlreiche Tourneen durch Europa und die ganze Welt.

1998 heiratete Dodji Tchao hier und blieb dann wie die meisten anderen Artisten in Deutschland. Als Gruppe waren sie weiterhin sehr aktiv und erfolgreich. Als sich Amlima 2003 zu Tchaos großem Bedauern auflöste, beschloss er sich als Musiker selbstständig zu machen, „denn Musik“, betont er, „ist mein Leben.“

Neustart mit „Dodjiko“

Er lernte Bassgitarre und Schlagzeug und hat inzwischen mit Freunden wieder eine neue Gruppe namens „Dodjiko“ („Geduld“) gegründet. Sie spielen Jazz, Reggae und traditionelle afrikanische Musik. Einmal die Woche proben sie mit zusammen mit vielen anderen überwiegend afrikanischen Musikern in der Kolbhalle, einem alten Industriegebäude in Ehrenfeld „Jeder kann hier eigene Ideen einbringen und neue Gruppen haben die Möglichkeit zusammenzufinden“ erzählt Tchao begeistert. Bei den Probeabenden handelt es sich um eine Art „Offene Bühne“, bei der jeder Interessierte mitmachen oder auch einfach nur zuschauen kann.

Zusätzlich bietet der Künstler ebenfalls in der Kolbhalle einmal wöchentlich Trommelunterricht an. Auch das Stelzenlaufen hat er bis heute nicht aufgegeben: Gemeinsam mit anderen Tänzern und Trommlern nimmt er jeden Sommer regelmäßig an Straßenparaden, Festivals und anderen Veranstaltungen teil, so auch bei dem interkulturellen Straßenkarneval „KarnevalGlobal“. Die bunten traditionellen Kostüme für die Artisten stellt er als gelernter Schneider selbst her.
Sein langfristiges Ziel ist es „ wieder eine große Künstlergruppe von mindestens 10 Mitgliedern aufzubauen“

Sehr unterschiedliche Mentalitäten

In seine Heimat Togo kommt Dodji Tchao nur noch selten. Zur gesellschaftlichen Situation in dem Land stellt er fest: „ Dort gibt es keine Meinungsfreiheit. Eigentlich brauchen wir eine Veränderung, aber wenn man den Mund aufmacht, kann es sein, dass die ganze Familie verschwindet.“

An Deutschland gefällt ihm, dass hier alles mehr geregelt ist und die Korruption nicht so ausgeprägt ist wie in seiner Heimat. Allerdings seien die Mentalitäten sehr unterschiedlich und an vieles musste er sich erst gewöhnen, wie z.B. daran, selbst zu kochen, wenn er von der Arbeit kommt, denn „ in Afrika machen das immer die Frauen“. Kritisch sieht er auch die starke Zunahme der Zeitarbeitsfirmen in Deutschland, für die er selbst schon häufig gearbeitet hat, wenn das Künstlereinkommen nicht für seine Familie ausreichte. Denn für gleiche Arbeit werde dort viel weniger als fest Angestellten gezahlt und andere Jobs seien kaum noch zu bekommen.

Kontakt:
Koffi Dodji Tchao
E-Mail:dodoko74@yahoo.de

 

Sonja Merch