François Koutouan

Entwicklungspolitisch engagierter Kaufmann, Elfenbeinküste

Es war Ende der 70er Jahre als François Koutouan aus der Republik Côte d´Ivoire (Elfenbeinküste) nach Frankreich kam, um ein Jura-Stipendium aufzunehmen. Dort wurde er an der Universität von einem Kommilitonen erstmals auf Deutschland aufmerksam gemacht. Dieser war geradezu überwältigt von einer Deutschlandreise zurückgekommen und berichtete fasziniert, dass der Kontakt zur Bevölkerung viel einfacher und natürlicher als in Frankreich gewesen sei. „In Frankreich wurden an den Unis zu dieser Zeit ausländische und einheimische Student/innen strikt getrennt. Es gab kaum Austausch untereinander, wie es heutzutage üblich ist. Eine gemischte Fußballnationalmannschaft z.B. wäre undenkbar gewesen“, so François.

Als Straßenmusiker in Deutschland unterwegs

François wurde neugierig und beschloss im darauf folgenden Jahr, mit seinem Kommilitonen Ibrahim gemeinsam nach Deutschland zu fahren. Dort zogen sie mit Gitarre und Trommel von Stadt zu Stadt und spielten afrikanische Straßenmusik, unter anderem auch am Kölner Dom, wo sie sogar von einem Fernsehteam gefilmt wurden.
François empfand die Zeit in Deutschland ähnlich wie sein Freund: „Es war eine sehr positive Erfahrung. Die Menschen waren viel offener als in Frankreich, ich habe mich das erste Mal als Mensch in Europa gefühlt…, meine Hautfarbe hatte keine Rolle gespielt…Die Jugend war damals sehr progressiv, Menschen unterschiedlicher Herkunft kamen zusammen und man hat viele politische Diskussionen geführt, z.B. über die Teilung Deutschlands und die damalige Besatzung."
Auch erlebte er außergewöhnliche Gastfreundschaft, z.B. in Herford: Nachdem er seiner über 80jährigen Pensionswirtin beim Kirschenpflücken geholfen hatte, brauchte er für die restlichen Tage weder Miete noch Essen zu bezahlen.

Der Weg in die berufliche Selbstständigkeit

Wieder in Frankreich zurück „quälte“ sich François zunächst mit seinem Jura-Studium weiter – er hätte eigentlich lieber Medizin studiert, durfte sich aber das Studienfach nicht selbst aussuchen -. Nach zwei Jahren brach er das Studium schließlich ab, besuchte eine Wirtschaftsberufsschule und absolvierte dort einen kaufmännischen Abschluss.

Die nächsten Jahre zog es François immer wieder nach Deutschland, wo er 1987 auch heiratete und seitdem kontinuierlich hier lebt. Zunächst arbeitete er als kaufmännischer Angestellter bei verschiedenen Firmen, unter anderem bei einem juristischen Verlag und einem CD-Hersteller, bis er schließlich beschloss, sich mit einem Afroshop selbstständig zu machen. „Ich hatte einen Großhandel in Lindenthal eröffnet und mit meinem Lieferwagen alle Afroshops in Köln beliefert, sogar in Berlin hatte ich Kunden.“ Einmal die Woche importierte er frische Ware aus verschiedenen Ländern mit dem Flugzeug. Leider machten die Fluggesellschaften, mit denen er zusammenarbeitete, nach einiger Zeit pleite, und die anderen wie z.B. AirFrance konnte er auf Dauer nicht bezahlen, so dass er den Laden zu seinem großen Bedauern schließlich aufgeben musste. „Ich habe gekämpft bis es schon an meine gesundheitliche Substanz ging“, kommentiert er diese schwere Zeit.

„die Kolonialisierung hat ihre Spuren hinterlassen“

Seitdem arbeitet er selbstständiger Kaufmann für verschiedene Firmen und versucht, u. a. Märkte in Afrika zu öffnen. Zur Zeit hat er den Auftrag von einer Firma, die Maschinen für Rohstoffabbau (Gold, Bauxit- oder Kohleminen) herstellt, Geschäfte zwischen Guinea und einem Importeur zu vermitteln. Der Kontakt läuft direkt über den guineischen Staatspräsidenten. „Für das Projekt muss man viel Zeit mitbringen und starke Nerven haben, denn erstens lässt man sich dort für alles mehr Zeit und zweitens hat die Kolonialisierung ihre Spuren hinterlassen, denn die ehemaligen Kolonialmächte, in diesem Fall Frankreich, haben oft noch Mitspracherecht bei wirtschaftlichen Verträgen.“ Auch François Heimat, die Elfenbeinküste, sei nicht frei von solchen Abhängigkeiten, beispielsweise existieren Verträge, die besagen, dass Rohstofffunde im Land sofort Frankreich gemeldet werden müssen. „Sogar für den Präsidentenpalast in Abidjan, das Symbol der Unabhängigkeit, muss Miete an Frankreich gezahlt werden“, ärgert sich François. Auch der letzte Bürgerkrieg hänge mit dieser Problematik zusammen.

„ an die Ursachen gehen“ - Gründung der Deutsch-Afrikanischen Kooperation

Francois hält es für sehr wichtig, dass die afrikanischen Länder eine wirkliche Unabhängigkeit erlangen und dass die Afrikaner sich ihrer eigenen Identität mehr bewusst werden. „Die Afrikaner haben sozusagen das „Ich“ abgegeben, es geht nur noch um das „Haben“ bzw. das Materielle, schnelles Auto, guter Job, was ich in der Tasche habe, das bin ich... Die westliche Zivilisation hat auch Werte, aber die Afrikaner sehen nur auf den äußeren Schein.“
Um hier eine Änderung zu bewirken, beschloss François, sowohl Projekte in seiner Heimat zu initiieren als auch afrikanische MigrantInnen in Köln zu unterstützen. Er gründete gemeinsam mit Freunden den Verein DAKO – Deutsch-Afrikanische Kooperation.
Die Idee zur Gründung des Vereins entstand, als er im Fernsehen einen Bericht über ein afrikanisches Flüchtlingsschiff, das im Meer versunken war und viele Flüchtlinge ertrunken sind. „ Ich fragte mich: Ist Afrika wirklich so schlimm, das diese Menschen all das auf sich nehmen, nur um von dort wegzukommen?“
Als Hauptziel des Vereins nennt François, „an die Ursachen zu gehen, die junge Leute zwingen, Afrika zu verlassen“ Er habe gemerkt, dass es nicht ausreicht bzw. nichts bringt, nur Geld an die Familie zuschicken, wie es viele Migranten machen, vorausgesetzt die Familie kann sich einigermaßen selbst versorgen. „Ich habe beschlossen, Geld gezielter für Projekte einzusetzen, denn das Geld schicken an die Familie, was ich früher regelmäßig gemacht habe, fördert nur die Abhängigkeit. Es ist besser mit zu gestalten und zu erklären, wie Verbesserungen zu erreichen sind. Im Gegensatz zu vielen Afrikanern sage ich die Wahrheit über Europa, nämlich, dass es keineswegs ein Paradies ist.“

Projekte in Köln und Afrika

Zur Zeit plant François ein Pilotprojekt in einem kleinem Dorf in der Elfenbeinküste, mit dem die Bildung für Kinder und Frauen verbessert werden soll. „Frauen waren bisher benachteiligt, oft wurden nur die Jungen zur Schule geschickt, aber inzwischen gibt es auch immer mehr junge Männer ohne Einkommen“ Er plant den Bau einer Schule, einer Kantine sowie die Einrichtung von kleinen Manufakturen für Frauen und die Unterstützung des Exports von landwirtschaftlichen Produkten, die die Frauen anbauen.

In diesem Jahr hat DAKO e.V. außerdem das Projekt „Whip not child“, eine künstlerische Initiative gegen Prügelstrafe/körperliche Züchtigung in Nigeria mit initiiert und unterstützt. Das Ziel ist vor allem über Medienkampagnen einen Bewusstseinswandel bei der Bevölkerung, insbesondere bei den Familien und Schulen zu erreichen.
Ein weiteres Projekt, das der Verein unterstützt, ist der Aufbau einer Musikschule in Kinshasa/Demokratische Republik Kongo.

Neben den Projekten in den afrikanischen Ländern widmet sich DAKO e.V. vor allem der Unterstützung von Migrant/innen in Köln und leistet z.B. Hilfe bei Behördengängen. François empfiehlt den Migrant/innen vor allem, die Sprache gut zu lernen, „denn sie kann Türen öffnen“. Sein Wunsch ist es, irgendwann ein Afrikahaus in Köln zu errichten. Im Vergleich zu seiner Heimat fehle es hier oft an menschlicher Wärme und Treffpunkten, um zusammenzukommen und zu reden. Besonders alte Leute, auch immer mehr afrikanische Migrant/innen seien hier oft einsam. Von den Deutschen könnten Afrikaner dagegen seiner Ansicht nach lernen, mehr für sich selbst verantwortlich zu sein und sich in der Lage zu fühlen, für sich selbst zu kämpfen, denn auf die Politiker könne man sich nicht verlassen.

„das Bewusstsein der eigenen Identität wieder verstärken“

Grundsätzlich will François wieder in seine Heimat zurückkehren, denn er möchte die Gesellschaft und Politik dort mitgestalten und seine Erfahrungen im Ausland weitergeben. Ihm ist aufgefallen, dass die Menschen in seinem Heimatort Adjamé (ein Stadtteil von Abidjan) kaum noch ihre eigene Sprache „Ébrié“ und stattdessen überwiegend Französisch sprechen, „ weil sie modern sein wollen“. „Ich bin seit 34 Jahren unterwegs, aber spreche immer noch besser meine Muttersprache als die Menschen, die dort leben“, wundert sich Francois. „Ich möchte das Bewusstsein der eigenen Identität bei den Menschen dort wieder verstärken“ Mit der Rückkehr nach Abidjan will er jedoch warten, bis seine beiden Töchter älter sind und die Schule abgeschlossen haben.

Kontakt:
DAKO e.V.
Deutsch-Afrikanische Kooperation
François Koutouan
Stammheimer Straße 22
50735 Köln
Tel.: 0221 – 430 99 75
Fax: 0221 – 546 29 05
info@dako-ev.de
www.dako-ev.de 

 

Sonja Merch