Beratungsstellen

Vielfältige Beratungslandschaft in Köln

In einem neuen Land zu leben, in dem man die Sprache möglicherweise nicht beherrscht, Strukturen nicht kennt, ist eine große Herausforderung. Dennoch bekommt man Briefe mit Verwaltungsakten, Aufforderungen und Fristen, mit denen selbst Deutsche häufig überfordert sind.

Aus diesem Grund haben MigrantInnen und Migranten neben sprachlichen Verständnisfragen ihre ganz eigenen Themen. Wo kann ich meine Papiere oder Zeugnisse übersetzen und anerkennen lassen? Wo bekomme ich Informationen zu meinem Aufenthalt, welche Rechte und Pflichten habe ich? Welche Arbeitsrechte habe ich ? Wo bekomme ich Nahrungsmittel aus meinem Heimatland? Woran erkenne ich einen seriösen Handyvertrag? Wie funktioniert eigentlich das dreigliedrige deutsche Schulsystem? Um diese Fragen zu beantworten und die unterschiedlichen Bedarfe hier lebender Ausländer aufzugreifen, gibt es verschiedene Beratungsstellen mit unterschiedlichen Profilen in Köln.

MigrantInnen mit einem sogenannten "gesicherten" Aufenthalt werden von öffentlichen Migrationsberatungsstellen betreut, an die sie sich mit allen Fragen wenden können. Häufig begleiten die zuständigen BeraterInnen ihre Klienten auch längerfristig auf ihrem Weg der Integration.

Interkulturelle Zentren

gibt es rund 33 in Köln. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle. Je nach Kapazität übernehmen sie die Beratung selbst oder vermitteln je nach Anliegen an andere Stellen weiter. Sie haben gute Kontakte zu landesspezifischen MigrantInnen-Selbstorganisationen und KollegInnen aus den entsprechenden Heimatländern. Viele Zentren vermieten Räume an Gruppen, um Gemeinschaften zu unterstützen und ein Zusammenkommen zu ermöglichen. Auch Integrationskurse, Sprachförderung oder Freizeitaktivitäten für unterschiedliche Zielgruppen werden angeboten. 

Im Allerweltshaus in Ehrenfeld finden MigrantInnen eine Vielzahl an Aktivitäten und eine Sozial- und Migrationsberatung. Hier treffen sich u. a. Vereine aus Afrika oder der Kreis Afrikansicher Vereine und Eine-Welt Initiativen (KAVEI). Gruppen können Beratung und Unterstützung, z.B. bei der Vereinsgründung oder Veranstaltungsorganisation bekommen.

Menschen mit einem sogenannten "ungesicherten" Aufenthalt wenden sich an die Flüchtlingsberatungsstellen oder direkt an den Kölner Flüchtlingsrat. Im Therapiezentrum für Folteropfer finden Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten psychotherapeutische und soziale Unterstützung.
Hier lebende Menschen ohne Papiere wenden sich am besten an "Kein Mensch ist Illegal" (Allerweltshaus) oder auch an die Diakonie.

Die wohl umfangreichsten Beratungsangebote für MigrantInnen aus afrikanischen Ländern werden von der Caritas und der Diakonie geleitet.

Neben der allgemeinen Migrations- und Flüchtlingsberatung, richtet sich die Diakonie mit dem Projekt “Mwangaza - Licht, das den Weg weist” seit 2003 vor allem an afrikanische Frauen und ihren Familien. In einem deutsch-afrikanischen BeraterInnenteam unterstützen sie die Frauen in den Bereichen Gesundheit, Aufenthalt und Soziales - lebensnah, ganzheitlich und an ihren Bedürfnissen orientiert.

Die Caritas fördert mit dem Projekt “Deutsch- Afrikanische Familienkonferenz” gezielt afrikanische Familien. Die Angebote sind unterschiedlich. Das Programm reicht von Familien- und Erziehungsberatung über Hausaufgabenhilfe bis zu landesspezifischen Aktionen und Freizeitaktivitäten. Neben einzelnen Frauengruppen, trifft sich seit 2002 hier die Initiative “Eltern schwarzer Kinder” zum regelmäßigen Austausch und zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten.

Neu ist die Möglichkeit der Unterstützung und Solidarität bei arbeitsrechtlichen Angelegenheiten speziell für ArbeitnehmerInnen aus Afrika durch die internationale Gewerkschaft "Industrial Workers of the World" IWW oder auch "Wobblies" genannt, die sich ebenfalls im Allerweltshaus treffen.

Köln zeigt also eine vielfältige Beratungslandschaft für unterschiedliche Zielgruppen und Bedürfnisse. Sie zeigen wie wichtig eine Begleitung auf dem Weg der Integration ist, und dass Begegnungsorte, wie die Interkulturellen Zentren eine wichtige Funktion für ein friedliches Zusammenleben in dieser Stadt haben.


Anne Walkenbach/ Eva Helm