Tanz & Theater

Die Tanzstile und -traditionen in Afrika sind ebenso zahlreich wie die sozialen und ethnischen Gruppen der afrikanischen Staaten. Es lassen sich jedoch gemeinsame Aspekte finden: Der Tanz spielt in Afrika eine wichtige Rolle als Medium des gesellschaftlichen und spirituellen Ausdrucks und der Kommunikation. Der Tänzer selbst ist traditionell mehr als nur ein Künstler, er ist auch Lehrer, Historiker, spirituelles Medium, Heiler und Geschichtenerzähler.

Afrikanische Tänze und Musik haben so manchen westlichen Tanzstil beeinflusst und umgekehrt. Mit dem Sklavenhandel verbreiteten sich afrikanische Rhythmen ab dem 16. Jh. in Nord- und Südamerika und vermischten sich mit Tanz- und Musikstilen europäischen Ursprungs. Für die damaligen Sklaven waren Musik und Tanz wichtige Ausdrucksmittel zur Bewahrung ihrer kulturellen Identität in der Fremde. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus die bekannten Musikrichtungen Blues, Jazz, Soul und Funk in Nordamerika sowie Samba in Südamerika, welche die Musikszene noch bis heute beeinflussen.

Seit Ende der 80er hat sich allerdings immer mehr der HipHop, angefangen mit Rap und Breakdance, in der Clubmusik durchgesetzt und prägt seitdem auch stark die Tanzstile in der „Black Music“. Aus der Hip-Hop-Musik, ursprünglich aus Funk, Soul und jamaikanischem Sprechgesang in amerikanischen Ghettos entstanden, ist mittlerweile eine ganze Jugendbewegung entstanden. In Afrika haben sich ganz eigene Stile entwickelt, wie z.B. der Senerap im Senegal oder der Bongo Flava in Tansania, die einen bedeutenden Einfluss als Sprachrohr der Straße auf das junge Afrika haben.

Aus Lateinamerika kommend hatte sich währenddessen zur gleichen Zeit der Salsa immer mehr verbreitet. Andere Tanzstile, die traditionelle Rhythmen mit karibischen oder europäischen Elementen verbinden, sind beispielsweise der Soukous im Kongo oder der Gumboot-Dance (Gummistiefel-Tanz) in Südafrika.

Ganz anders als die stark rhythmisch betonten Tänze südlich der Sahara sind Musik und Tanzstile Nordafrikas vor allem orientalisch beeinflusst. Auch hier gibt es verschiedene Mischformen, wie z.B. die algerische Rai-Musik, die sich im Laufe des letzten Jahrhunderts entwickelt hat und Elemente westlicher Popmusik beinhaltet.

Das Angebot in Köln

In Köln gibt es eine Reihe von Musikern, die vor allem traditionelle Tänze aus Westafrika mit in ihre Aufführungen einbinden. Das Angebot reicht von togolesischem Stelzen- und Maskentanz, über Ballet africaine bis hin zu senegalesischen Sabar meist von wirbelnden Trommelrhythmen begleitet.

Überhaupt ist traditioneller afrikanischer Tanz neben den modernen Tanzstilen (Jazz, HipHop) u.a. aufgrund seiner belebenden Wirkung auch bei Deutschen immer beliebter geworden. Ob als Workout, Geburtsvorbereitung oder als tanzpädagogische Methode mit Kindern und Jugendlichen, hat er inzwischen in vielen Einrichtungen Einzug gehalten.

Die LehrerInnen sind meistens hier lebende AfrikanerInnen, die Tänze und Rhythmen ihrer Heimatkulturen übermitteln, aber auch zunehmen KölnerInnen ohne afrikanische Wurzeln, die die Tänze selbst in einem der zahlreichen Angebote in Afrika gelernt haben.

Noch mehr verbreitet sind Kursangebote zu Orientalischem Tanz, wie er in vielen nordafrikanischen Ländern üblich ist. Vor allem Ägyptischer Tanz wird häufiger unterrichtet.

Neben dem Tanz ist auch das Theater und das Rollenspiel ein wichtiges Instrument der Geschichtenerzählung und Informationsvermittlung in Afrika, bei dem Musik, Tanz und Gesang weithin eingebunden sind.

Die professionelle Theater und Tanzszene ist meist in den großen Städten Afrikas zu finden. Es bestehen vielseitige Kooperations- und Austauschprogramme mit Europa.

In Köln ist hier an erster Stelle das africologne-Theaterfestival zu nennen. Seit 2010 steht das Theater im Bauturm Köln im Austausch mit dem Festival Récréâtrales in Ougadougou (Burkina Faso). Das Theaterfestival präsentiert alle zwei Jahre maßgebliche Uraufführungen und Gastspiele aus dem gesamten afrikanischen Kontinent und ist auf dem Weg, die zentrale Theaterbiennale in West-Afrika zu werden. Durch diese Kooperation ist ein wertvoller Kontakt zur Theaterszene Afrikas entstanden, der besondere Einblicke in den Kontinent vermittelt.

Aber auch die „Stimmen Afrikas“ im Allerweltshaus www.allerweltshaus.de und die „KinderKulturKarawane“ www.kinderkulturkarawane.de  bringen interessante Produktionen und Projekte aus Afrika nach Köln.

Dieser Artikel liefert nur einen kleinen Einblick in die bestehenden Vielfalt und wir freuen uns über weitere Ergänzungen und Mitteilungen über die neuesten Entwicklungen. Gerne können sich KünstlerInnen und Projekte hier registrieren lassen. 

Anne Walkenbach / Sonja Merch