Thema „Afrika“ an der Universität zu Köln

Forschung mit langer Tradition

Seit 1962 gibt es an der Universität zu Köln den Studiengang der Afrikanistik, der sich traditionell mit der Erforschung afrikanischer Sprachen befasst. Dabei gehört natürlich auch das Sprachenlernen zum Programm: Bambara, Ewe, Hausa und Swahili sind regelmäßig im Angebot. Daneben gibt es einen Schwerpunkt im Bereich Geschichte und Kulturen. Hier geht es immer wieder darum, das eigene Afrikabild zu hinterfragen. So versuchten Studenten mit der Ausstellung „Köln Postkolonial“, die Spuren der kolonialen Vergangenheit der eigenen Stadt sichtbar zu machen. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Verein Kopfwelten entstand, war 2008 und 2009 im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen.

Einen Blick in die Geschichte bietet auch das Institut für Ur- und Frühgeschichte. Dort befasste man sich schon in den 1960er Jahren mit der Beschreibung von Felsbildern im südwestlichen Afrika. Daraus hat sich ein Schwerpunkt für die Umweltgeschichte in Afrikas Wüstenregionen entwickelt. 1984 wurde schließlich die Forschungsstelle Afrika des Instituts eingerichtet, die ihre Arbeit in Kooperation mit dem Heinrich-Barth-Institut e.V. betreibt.

Im Rahmen diverser Forschungsprojekte arbeitet das Institut für Ethnologie eng mit afrikanischen Universitäten zusammen. Zu den thematischen Schwerpunkten gehören Konflikt- und Konflikttransformationsforschung, Mensch-Umwelt-Beziehungen und Medienethnologie. Besonders intensiv sind die Beziehungen zum Institute of Peace and Strategic Studies in Gulu im Norden Ugandas. Die beiden Institute führen einen regelmäßigen Austausch von Studenten und Lehrkräften durch.

Mit den Hochschulreformen spielt die Vernetzung verschiedener Fachbereiche eine immer größere Rolle. So gibt es seit 2008 das Cologne African Studies Center (CASC), das interdisziplinäres Arbeiten zum Thema Afrika fördern soll. Viele Studiengänge sind inzwischen fachübergreifend ausgerichtet. Ein Beispiel ist der Master-Studiengang Culture and Environment in Africa. Dieser Studiengang der Mensch-Umwelt-Beziehungen findet in englischer Sprache statt. Internationale Beteiligung ist nicht nur erwünscht, sondern wird auch gefördert: Die Mehrheit der Studenten kommt aus afrikanischen Ländern wie Uganda, Kenia, Namibia, Äthiopien. Viele werden durch das Albertus-Magnus-Stipendienprogramm der Universität unterstützt, das speziell auf Studenten aus Entwicklungsländern und Studenten afrikanischer Partneruniversitäten ausgerichtet ist. Übrigens sind die afrikanischen Studenten der Uni Köln in der African Students Association organisiert.

Auch in der Forschung nimmt die fächerübergreifende Arbeit zu. Die Sonderforschungsbereiche ACACIA und Our Way to Europe sind gute Beispiele dafür. Wenn auch die Beteiligung der Philosophischen Fakultät besonders ins Auge fällt, so sind doch immer wieder auch andere Fakultäten beteiligt. Am IMPETUS-Projekt, das elf Jahre lang Strategien zum Umgang mit Trinkwasser in Westafrika untersuchte, waren Geographen und Meteorologen genauso beteiligt wie Biologen und Mediziner. Am Institut für Geowissenschaft und Meteorologie gibt es zudem eine Forschungsgruppe zum Klimaeinfluss auf die Malariaverbreitung. Schließlich gibt es noch das Seminar für Genossenschaftswesen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, das ein Netzwerk zur Förderung von Mikrokrankenversicherungen in Afrika ins Leben gerufen hat.
 

Philipp Sandner